Schiffe versenken in Kertsch – Dienstag, den 27.11.2018 (UPDATE)


18:21 – Bilder ukrainischer Gefangener

Auf Twitter sind zwei Bilder der ukrainischer Gefangener aufgetaucht. Ursprüngliche Quelle bislang unbekannt.

18:00 – FSB veröffentlicht die Liste mit konfiszierten Bewaffnung

Das russische Inlandgeheimdienst FSB veröffentlicht die Liste mit all der vorgefunden Waffen auf den Schiffen und an der Besatzung:

Eine Liste mit der, von der FSB konfiszierten Bewaffnung ukrainischer Schiffe mit Besatzung.

Quelle: Федеральная служба безопасности Российской Федерации (27.11.2018): „В отношении противоправных действий кораблей ВМС Украины в территориальном море России“ unter http://www.fsb.ru/fsb/press/message/single.htm!id%3D10438317%40fsbMessage.html (abgerufen am 27.11.2018).

Um diese Information richtig einzuschätzen (die Liste wird im weiteren Verlauf übersetzt) würde ich gerne einen Vergleich mit der regulären Bewaffnung der konfiszierten Schiffe ziehen:

Schiffe „Berdyansk“ und „Nikopol“ sind beide Schiffe der s.g. Gjursa-Klasse. Was dies genau heißt ist in dem Fall völlig irrelevant, schauen wir uns genauer die die Ausstattung der Schiffe an. Jeder der Schiffe besitzt vom Werk her zweifache Ausstattung mit dem Modul „Katran-M“, einem s.g. Nahbereichsverteidigungssystem, welche jeweils aus folgender Bewaffnung besteht: 

  • (4) 1 x 30mm Maschinenkanone STM-1
  • (4) 1 x 30mm Granatwerfer
  • (4) 1 x 7.62mm Maschinengewehr KT-7,62
  • (4) 1 x MANPAD
  • (8) 2 x Panzerabwehrlenkrakete Barrier

Der Schlepper „Yany Kapu“ verfügt über 2 mal die 14,5mm Maschinengewehre.

Übersichtshalber sortiere ich die FSB-Liste nach Zugehörigkeit der Munition. In Klammern steht jeweils die Listennummer von oben, damit man die Übersetzung dem Eintrag zuordnen kann.

Das müsste wohl die Bewaffnung der beiden Patrouille Schiffe sein. Rein von der Ausstattung nicht besonderes; Die MANPADs wie z.B. 9K38 Igla fehlen sogar ganz. Darüber ob die Menge der Munition angemessen oder totaler Overkill ist, kann ich nicht beurteilen:

  • (1) 4 x 30mm Maschinenkanone
    • (9) 675 x Sprengbrandmunition 30mm (~165 pro Kanone)
    • (17) 87 x Signalrakete 30mm (~20 pro Kanone)
  • (2) 4 x 30mm Granatwerfer
    • (10) 1975 x Munition ВОГ-17 (~500 pro Kanone)
    • (11) 495 x Munition ВОГ (~120 pro Kanone)
  • (4) 4 x 7,62mm  Maschinengewehr
    • (18) 9865 x Munition 7,62mm (~2450 pro Kanone)

Die 14,5mm Maschinengewehre für den Schlepper finden sich in der Liste nicht wieder. Vermutlich wurde dieser mit folgenden Maschinengewehren ausgestattet:

  • (3) 2 x 12,7mm Maschinengewehr
    • (21) 612 x Munition 12,7mm (306 pro Kanone)

Nicht zu vergessen ist nun die Besatzung der Schiffe, welche Berichten zufolge aus 23 Mann bestand. Zusammen teilten sie folgende Waffen:

  • Handfeuerwaffen:
    • (5) 13 x Maschinengewehr AK-47 5,45mm (Anm.: AK-74? Wegen Kaliber?)
      • (23) 42 x Magazine AK-74 (~3 pro Waffe)
      • (19) 11736 x Munition 5,45mm (~900 Schuss pro Waffe. Bei einer Magazingröße von 30 Schuss, entspricht das 30 Magazine pro Waffe)
    • (6) 4 x Handpistole 9mm
      • (24) 4 x Magazine
      • (20) 1189 x Munition 9mm (~300 Schuss pro Pistole. Bei einer Magazingröße von 8+1 Schuss, entspricht das 33 Magazine)
    • (7) 1 x Nicht lethale Pistole 9mm
    • (8) 1 x Signalpistole
  • Sprengladungen:
    • Handgranaten:
      • (12) 40 x РГД-5
      • (13) 48 x РГ-42
      • (14) 20 x РГД
    • Zünder:
      • (16) 38 x РГ-42
      • (30) 30 x УЗРГМ-2
  • (22) 15 x Bajonett/ Kampfmesser

Falls ich etwas übersehen oder falsch übersetzt habe, bitte ich um einen kurzen Kommentare mit der Korrektur und Quelle. Vielen Dank.

18:00 – Russische Medien veröffentlichen ukrainische Dokumente

Russische Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ bezieht sich auf das russische Inlandgeheimdienst FSB und veröffentlicht 2 Dokumente, welche von den ukrainischen Schiffen bzw. der Schiffsbesatzung konfisziert zu sein scheinen. 

Eine handschriftliche Notiz beschreibt wohl den bürokratischen Ablauf um eine Genehmigung zu erhalten an Kertsch vorbei zu fahren. Beim anderen Dokument handelt es sich um eine „Kontrollliste“ für die Fahrbereitschaft des ukrainischen Schiffs „Nikopol“. Es beinhaltet die Anweisung den Kerch–Yenikale Kanal möglichst heimlich zu überqueren. Es lässt sich noch nichts! über die Echtheit und Bedeutung dieser Veröffentlichung sagen.

Quelle: Комсомольская правда (27.11.2018): „«Скрытно подойти к Керченскому каналу и пройти через него»: ФСБ обнародовала документы с боевой задачей украинским морякам“ unter https://www.kp.ru/daily/26913/3959239/ (abgerufen am 27.11.2018).


16:00 – Desinformation an der Grenze

In zwei ukrainischen Bezirken, welche an der Grenze zu Russland liegen, wurden heute Massen-SMS versendet mit der Bitte sich beim nächstliegenden Militärkommando zu melden. Als Absender wurde das ukrainische Verteidigungsministerium angegeben.

In einer Stellungsnahme teilt das ukrainische Verteidigungsministerium mit, es habe keinen Bezug zu den verschickten Nachrichten und noch nie auf solche Methoden zurückgegriffen ist um die Bürger zu informieren.

Quelle: Міністерство оборони України (27.11.2018): „В окремих районах вздовж державного кордону України Російська Федерація вдається до провокаційних інформаційних дій“ unter
http://www.mil.gov.ua/news/2018/11/27/v-okremih-rajonah-vzdovzh-derzhavnogo-kordonu-ukraini-rosijska-federacziya-vdaetsya-do-provokaczijnih-informaczijnih-dij/ (abgerufen am: 27.11.2018)

 

 


↓↓↓Die Meldungen werden nachträglich chronologisch vervollständigt.

Update 14:45 – Drei „Geständnisse“ ukrainischer Gefangener:
Russische Medien veröffentlichen Videos, in welchen 3 der 23 Gefangenen „zugeben“ eine Provokation durchgeführt zu haben. Bei einem sieht man jedoch deutlich wie er einen (bereits vorgeschriebenen/vorgegebenen?) Text abliest. (Quelle: https://www.kp.ru/daily/26913/3959190/)

Ob die Geständnisse glaubwürdig sind, lässt sich nicht sagen. Die Umstände der Gefangenschaft und der drohender Gerichtsprozesse durch Russland könnten eine Nötigung der Aussagen begünstigen. Ukrainische Regierung dementiert die „Geständnisse“ wie erwartet.

Update 14:30:
Laut den russischen Pressedienst „RIA Novosti Krim“ hat das Gericht in Simferopol die erste Strafe gegen einen den ukrainischen Matrosen verhängt:

Den Hauptmatrose von „Jany Kapu“, Volodymir Warimez, erwartet eine Festnahme bis zum 25. Januar 2019. Ihm wird eine illegale Grenzüberschreitung vorgeworfen.

Quelle: https://crimea.ria.ru/incidents/20181127/1115653741.html

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